Wie "Liebeslänglich" entstand - die Hauptfigur
Mit seinen Romanfiguren verbringt man sehr lange sehr viel Zeit. Sie werden zu einer Schattenfamilie, immer sind sie gegenwärtig, egal was man gerade macht. Deshalb müssen sie interessant sein, denn wer möchte seine Zeit schon mit langweiligen Leuten verbringen? Ich nicht und meine Leser garantiert auch nicht. Ich wollte also einen Roman schreiben über eine Frau, die sich in einen Häftling verliebt. Was für einen Typ Frau sollte ich wählen? Die Frustrierte mit Gewalterfahrung? Gut, sie könnte im Lauf der Romanhandlung erstarken, ihren Frust überwinden und an der Erfahrung mit dieser Art von Beziehung wachsen. Vielleicht sogar über sich hinaus. Eien starke Entwicklung der Hauptfigur ist immer gut. Aber so richtig reizte es mich nicht, meine Tage am Bildschirm mit so einem geschundenen Wesen zu verbringen. Dann vielleicht die mit dem Samariter-Komplex? Nein, bloß nicht. Blieb letztere: Der Typ, der gerne mit dem Feuer spielt. Die gefiel mir schon viel, viel besser. Okay, meine Protagonistin sollte eigenwillig, eigenständig und - wie alle meine Frauenfiguren - natürlich ein klein wenig schrullig sein. (Wobei einen Mörder zu heiraten ja wohl Schrulle genug sein dürfte.) Wie alt? Nicht zu jung, sie muss fest im Leben stehen. Anfang vierzig also. So um die Midlife-crisis herum. Sie muss attraktiv sein, aber auf eine spröde Art. Sie darf keine verhärmte alte Jungfer sein, der nur noch ein Häftling als Notlösung bleibt. Sie muss Beziehungen haben, Liebhaber. Am Anfang hatte ich ihr vier Liebhaber angedichtet. Mein Lektor meinte dann, das wären ein paar zu viele, also wurden es dann nur zwei. Dann galt es über ihre Vermögensverhältnisse, ihren Beruf und ihre sonstigen Beziehungen nachzudenken. Und vor allen Dingen: Sie brauchte einen Namen.
SusanneM - 26. Apr, 18:25
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